Der Übersetzer

Der Übersetzer

von

Sachbuch

Aus dem Amerikanischen von Elsbeth Ranke

256 Seiten (gebunden)
Karl Blessing Verlag

Erscheinungsdatum: 01.04.2008

ISBN: 9783896673763

Der Flüchtling Daoud Hari hat ein Buch über die entsetzliche Lage seiner Heimatregion Darfur geschrieben. Es soll den Menschen in der ganzen Welt die Augen öffnen und das Völkermorden in seinem Land ins Bewusstsein aller rufen.

Die Geschichten, die Daoud Hari in seinem Buch erzählt, sind so unfassbar, dass man denkt, sie entstammen einem schlechten Horrorfilm. Unvorstellbares persönliches Leid der vertriebenen Menschen aus Darfur paart sich mit komplizierten politischen Strukturen und Machenschaften, die in diesem Land vor sich gehen.
Daoud Hari erzählt von Familien, Freunden und Verwandten, die das Schicksal alle gleichermaßen traf: Zerstörung von Dörfern, Vergewaltigungen, Vertreibung und Töten. All das hat er mit eigenen Augen miterlebt. Die schauderhaften Details kann man in diesem Buch nachlesen. Hari selbst konnte sich zwar in den Tschad retten, kehrte aber immer wieder in seine Heimatregion zurück um die Worte der Flüchtlinge für die Journalisten zu übersetzen, die er in die gefährlichsten Gebiete Darfurs führte, damit diese die Geschichten seiner Landsleute in die ganze Welt verbreiten können. 2006 verhaftete man ihn und einen amerikanischen Journalisten wegen des Verdachts der Spionage und verhörte sie unter Folter. Durch Glück und ausgezeichnete Beziehungen schaffte er es immer wieder dem Tod knapp zu entgehen, so auch in dieser Situation.
Seine eigene Odyssee seit der Verhaftung nimmt fast die komplette zweite Hälfte des Buchs ein, was ein wenig von den Geschichten seiner Landsleute ablenkt, um deren Übersetzung es ja ursprünglich gehen sollte. Dennoch schafft es Hari, einen unvorstellbaren Bericht dessen, was dort vor sich geht, zu schreiben und einen Einblick in die komplizierten Strukturen der Machtverhältnisse zu gewähren, ohne jedoch zu viel Emotionalität hineinzulegen und auf die Wirkung von Mitleid zu zielen. Inmitten von Folter, Elend und Tod zeigt sich sogar, dass seine Landsleute ihren sehr eigenwilligen und fast unzerstörbaren Humor dennoch nicht ganz verloren haben.
Die Geschehnisse in Darfur, die die meisten von uns nur durch kurze, nüchterne Nachrichtenbeiträge kennen, verlieren ihre Abstraktheit und man fühlt sich als Leser diesen Menschen, die sowohl viele Familienmitglieder als auch ihre Heimat auf grauenvollste Weise verloren haben, ein Stück näher.
Ein sehr nützlicher Anhang des Buches bilden die kleine Darfur-Fibel, die einen kurzen, verständlichen Abriss über die Region, ihre Entwicklung und die aktuelle Lage liefert, sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Dieses Buch ist der Kampf eines einzelnen Menschen für mehr Frieden und mehr Freundschaften überall auf der Welt, – ein maximaler Beitrag dessen, was man als einzelner zu leisten vermag. Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch von vielen Menschen weltweit gelesen wird um mehr Aufmerksamkeit, mehr Unterstützung und Hilfe für dieses Land, diese Region und die Millionen von Menschen zu erreichen, damit diese vielleicht doch eines Tages friedlich in ihre Heimat zurückkehren können.

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