Der Junge, der in den Büchern verschwand

von

Geschichten

Aus dem Französischen von Christiane Seiler

96 Seiten (gebunden)
Kindler

Erscheinungsdatum: 18.01.2008

ISBN: 9783463405254

Rezension von

Verfasst am: 20.04.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Philippe Claudel Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten

Kindler ISBN 3463405253

Verkehrte Welt!

Da erscheint eines Tages eine Fee bei einem kleinen Mädchen, das gerade ihre Puppe kämmt. Die Fee stört, und die Kleine gibt es ihr unmissverständlich zu verstehen. Schließlich ist die Fee ganz kleinlaut, spricht über ihre Arbeitslosigkeit und erfährt auch noch Trost von Coraline.
Und dann sind doch eines Tages alle Kinder verschwunden!
Sie mochten nicht mehr ständig ausgeschimpft werden, ewig als Störenfriede gelten, immer früh zu Bett gehen müssen, kein Fernsehen und was der Dinge noch so sind, die Kindern das Leben schwer machen. Als sie verschwunden sind, ist die Erde still und leer. Die Eltern suchen und trauern, und eines Tages sind dann auch alle wieder da. Und die Moral von der Geschichte?
Am Ende werden auch die Kinder erwachsen, werden Eltern und haben vergessen, wie es ihnen als Kindern erging,—und so beginnt die Geschichte wieder von vorne.

Am schlimmsten aber hatte es Lucas. Nichts durfte er, geliebt wurde er nicht, weder von seinen Eltern noch von seinem Bruder oder den Klassenkameraden, und so flüchtete er sich in die Bücher. In ihnen verschwand er häufig und lebte sein eigenes Leben. Als es ihm eines Tages zu bunt wurde, verschwand er für immer in einem Buch!

Wunderbar stellen die Geschichten von Claudel die Welt der Erwachsenen und Kinder auf den Kopf. Da sind die Kinder cool und wenig zu beeindrucken. Sie sind es, die den Ton angeben wie im Märchen mit der Fee, und sie lehren ihre Eltern Benehmen, in dem sie sich ihnen entziehen und ihnen zeigen, dass sie nur unter veränderten Bedingungen bei ihnen bleiben möchten. Sie sind stark und kompetent und niemand kann ihnen etwas vormachen.
Pädagogisch einfühlsam schaut Claudel in Kinderseelen und sieht von unten nach oben auf die große Welt der Erwachsenen, in der es so häufig am Verständnis für die lieben Kleinen fehlt. Die Macht der Großen wird gegen die Hilflosigkeit der Kleinen ausgespielt. Aber hier wissen sie sich zu behaupten und zu rächen!

Philippe Claudel erzählt seiner kleinen Tochter oft Geschichten, deren Inhalt ihm später als Vorlage zu seinen Romanen dient.
Mit viel Phantasie versetzt er sich in andere, betrachtet kleine und große Menschen als ebenbürtig, was in seinen Geschichten zum Ausdruck kommt. Poetisch leicht, zuweilen auch ernst und ein wenig melancholisch sind seine Geschichten. Der Junge, der sich aus Bagdad meldet, spricht so selbstverständlich über den Krieg und die Autos, in denen überall die Bombe lauern kann, dass man auf ganz einfache Weise versteht, wie schwer das Leben dort ist.
Fantasiereich und pfiffig, klug und weise sind Claudels Geschichten, in denen sich zeigt, dass Kinder oftmals klüger als Erwachsene sind. Haben letzere doch ständig nur die Arbeit, die Hetze des täglichen Einerleis und den Spagat zwischen Muße und Alltagsbewältigung im Sinn. In den Geschichten wird ihnen der Spiegel vorgehalten, und so manch’ einer mag zur Besinnung kommen und einhalten, wenn er sie liest!

Die schönen und sinnigen Geschichten, die für Kinder und Erwachsene geschrieben sind, reizen zum Weiterlesen. Hier ereignen sich kleine Wunder, aus denen man noch lernen kann! Nachdenklich und angerührt legt man den kleinen Band aus der Hand.
Claudel lebt in Lothringen und wurde bereits für seine Bücher und Filme hoch geehrt.

Migliedermeinung

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