Handwerk

von

Sachbuch

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff

432 Seiten (gebunden)
Berlin Verlag

Erscheinungsdatum: 10.01.2008

ISBN: 9783827000330

Rezension von

Verfasst am: 03.06.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Handwerk beobachtet im Verlaufe der langen evolutionären, biologischen und menschlichen Geschichte: eine Entwicklungs- und Sozialgeschichte von außergewöhnlicher Dimension

Schon aus der Entwicklungsgeschichte von Kleinkindern wissen wir, dass die motorische Entwicklung mit der geistigen Entwicklung korrespondiert. D. h., wenn ein Kind sprachlich behindert oder entwicklungsverzögert ist, so ist die Behandlung einer motorischen Heilgymnastik das Mittel der Wahl, um die geistige Entwicklung zu fördern.

In seinem Buch „Handwerk“ zeichnet Sennet die philosophischen und gedanklichen Überlegungen zur Bedeutung des Handwerks im Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele auf.
Geist und Körper, Handwerk und Kultur gehen in eins.
Sennet bemüht Hannah Arendt und Heidegger, Adam und die Verführung durch Eva im Sündenfall und die griechische Götterwelt, um seine Anschauungen aus verschiedenen Richtungen anzugehen. Homers Hymne auf den Schutzgott der Handwerker, Hephaistos, steht zu Beginn eines Kapitels, in dem der Autor Hephaistos als modernen Gott sowohl für die Weber als auch für den Linux- Programmierer für zuständig erklärt. Hephaistos repräsentiert den Handwerker als Friedensstifter und Schöpfer der Zivilisation.
Nicht der Beginn der Zivilisation aber wird mit der Hymne gefeiert, denn die gab es schon lange zuvor. Das Nomadendasein der Menschen endete bereits, als der Mensch sich Handwerkzeug zunutze machen lernte. Das aber setzte Denkleistung und praktische Umsetzung voraus.
Sennet vermag ausgezeichnet, Beispiele aus dem Alltagsleben mit theoretischer Anschauung zu verbinden. Er ist ein Meister der praktischen Darstellung und der intellektuellen Verarbeitung seiner Erkenntnisse. Am Beispiel verschiedener Handwerke zeigt er die Möglichkeiten und Widerstände auf, die das Handwerk seinem Schöpfer bietet.
Dass Sennet in seinem Buch eine Kulturgeschichte des Handwerks entworfen hat, ist sein Verdienst,— und ohne Zivilisationskritik ist diese Bilanz nicht möglich. Von der Arbeit in Konkurrenz und der Arbeit als Freude, von ihrer Bedeutung als Identitätsstiftung bis zu ihrer Verfremdung und Entartung hin zu Banalität des Bösen, nachzulesen bei Hannah Arendt, lässt Sennet nichts ungesagt. Für die Gefahren durch menschlichen Forscherdrang steht die Büchse der Pandora. Sie besiegelt die gefährlichen Risiken, die dem Menschen aus den Möglichkeiten seines Schaffens erwachsen können, wenn erst einmal erkannt ist, dass das, was möglich ist, auch machbar ist und zur Zerstörung werden kann.
Die Zusammenhänge zwischen Hand – Werk und Zivilisation, zwischen Arbeit, Krieg und Frieden sind erstaunlich.
Zur Ergänzung der Erkenntnisse über das Thema Handwerk sind Schriften wie die von Dawkins und Jared Diamond zu empfehlen.

Fundiert, leidenschaftlich und durchdrungen von seinem Wissen liest sich das Buch wie alle Werke Sennets gut und eingängig. Für den interessierten Leser bietet das Buch eine Zusammenführung von Wissen und Erkenntnissen über die alte und die moderne Welt und ihre Lebensbedingungen, über ihre Gefahren und ihre Chancen. Sein Plädoyer gilt der Vereinigung von Handwerk und Geist.

Richard Sennet ist ein bekannter amerikanischer Soziologe und Kulturhistoriker, der schon u.a. mit seinem Buch „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens “ kulturanthropologische Betrachtungen von eindringlicher Kraft aufgewiesen hat. Wie fast alle Wissenschaftsautoren amerikanischer Herkunft beherrscht er die Fähigkeit, schwierige Texte anschaulich und eindeutig zu vermitteln. Dass Wissenschaft faszinierend sein kann, das beweist Sennet mit diesem Buch einmal mehr. Es macht Lust auf Wissen, stimmt neugierig und bereichert den Leser um viele einschlägige Erkenntnisse.

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