Eine Liebe ohne Widerstand

Eine Liebe ohne Widerstand

von

Roman

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz

167 Seiten (gebunden)
DuMont

Erscheinungsdatum: Februar 2004

ISBN: 9783832178680

Schlicht und ohne Aufbauschen erzählt Rozier von der Liebe zwischen Menschen sowie der Leidenschaft zur deutschen Sprache und Literatur zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges.

Rückblickend erzählt die Person des Ich-Erzählers, von der weder Namen noch Geschlecht verraten werden, von ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges in einer französischen Provinzstadt, die von den Deutschen besetzt wird. Von Beruf Deutschlehrer meidet sie ansonsten jegliche Gesellschaft. Interessant sind einzig und allein die deutsche Sprache sowie die Lektüre deutscher Schriftsteller wie Heine, Hesse, Goethe oder Schiller. Dieser Leidenschaft muss selbst ihre Ehe zu Claude weichen, in der es weder zu Intimitäten noch zu Gesprächen zwischen den Ehepartnern kommt. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die vor allem die Augen verschließt, und der Schwester, die ein Verhältnis zu einem SS-Offizier hat, lebt diese Person in einem Haus, in dessen Kellerecke sie sich eine Bibliothek verbotener Bücher einrichtet. Dort versteckt sie später auch den Juden Herman, zu dem sie ein leidenschaftliches Liebesverhältnis beginnt. Sie teilen nicht nur ihre Körper miteinander, sondern auch ihre Liebe zu deutscher Literatur und zur jiddischen und deutschen Sprache.

Ohne viel Umschweifen und Ausschmückung, wenn nicht sogar mit einer gewissen Nüchternheit, gelingt es Rozier, dem Leser einen Einblick in die Seele eines Menschen zu vermitteln, der weder ein Held im klassischen Sinn noch eine aufgebauschte, irreal wirkende Figur ist, sondern sehr echt, natürlich und einfach nur menschlich dargestellt wird.
Beeindruckend und das eigentlich Interessante ist die Konstruiertheit des Romans, denn bis zum Schluss bleibt unklar, ob es sich bei dem Ich-Erzähler um einen Mann oder eine Frau handelt. Eindeutige Indizien gibt es nämlich nicht. Es lassen sich nur eine Reihe von Vermutungen anstellen. Wie dieses Spiel mit der Vorstellung des Lesers die Lesart beeinflussen und verändern kann, ist eine interessante Erfahrung, die einen auch noch lange nach der Lektüre über diese nachdenken lässt.

Ein kleines Büchlein mit viel Herz und Leidenschaft.
Sehr zu empfehlen.

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