Villa Ginestra

Villa Ginestra

von

Roman

Aus dem Englischen von Angela Praesent

453 Seiten (gebunden)
Eichborn

Erscheinungsdatum: 04.08.2008

ISBN: 9783821845968

”Man besitzt nur, was man vergeuden kann. Meine Vorfahren, die vom Erben und Vererben so besessen waren, besaßen das Vermögen, das ihnen zu gehören schien, in Wirklichkeit gar nicht. Bewusst oder unbewusst müssen sie sich nur als Verwalter der Reichtümer betrachtet haben, die in ihre Hände übergegangen waren. Von allen toten und lebenden Angehörigen meiner Familie bin ich der einzige, der sich genügend als Besitzer seines ererbten Reichtums fühlt, um ihn vergeuden zu können. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, vielleicht doch etwas Besonderes erreicht zu haben. Vorläufig versuche ich, nicht an die Villa Ginestra zu denken. Als Geist ist sie nicht sehr stark und leicht zu besänftigen. Wenn ich jedoch an sie denke, dann denke ich auch an meine Vorfahren und wie ich über sie gehöhnt habe. Ich neige nun nicht mehr dazu, sie zu verachten. Ihr Wirken galt einer Zukunft, in die sie Vertrauen hatten. Sie hatten Erben. Sie glaubten zu wissen, was gut ist, und sie sahen darauf, dass ihre Erben dasjenige erben würden, was sie für gut hielten. Das ist mehr, als ich von mir sagen kann. Doch selbst wenn ich wüsste, was gut ist — und ich lerne noch, ich lerne noch dazu! —: Ich habe keine Erben. Hat irgendein Mensch Erben?“

Was hat Zuneigung zwischen Menschen mit Vermögenswerten zu tun? In der internationalen Bankiersfamilie des Ich-Erzählers versteht sich die Antwort von selbst: sehr viel. Harry, ein scharf beobachtender Junge, der in Genf aufwächst, wo sein Vater der europäischen Niederlassung der New Yorker Familienbank vorsteht, ist deshalb früh fasziniert von allem, was er über eine gewisse Cousine Renée erfährt. Diese allein stehende Ketzerin wider die Prinzipien des Clans leistet sich eine schlossgleiche Villa in Florenz, fördert Künstler jeglicher Couleur und verwaltet ihr großes Vermögen selbst — sehr zum Ärger von Harrys Vater. Über den Generationenabstand hinweg erkennen der junge Harry und die exzentrische Renée einander während vieler langer Aufenthalte Harrys in Florenz als Seelenverwandte — und Harry erweist sich in Sachen Großzügigkeit und Weltoffenheit als ihr legitimer Erbe.

Während Krieg und Faschismus Europa überziehen, bleibt die Villa Ginestra mitsamt ihrem Publikum und ihren Gästen das magische Zentrum von Harrys Sehnsucht, ein Paradies und ein verwunschener Ort, aus dem ihn Briefe erreichen, die immer wieder einen noch ungeahnten Aspekt von Renées Person beleuchten. Ihr weit reichendes Beziehungsgeflecht, ihre Überzeugung von der existentiellen Notwendigkeit der Künste, ihre fördernde Leidenschaft bis zur Selbstaufgabe, ihre komplexe Persönlichkeit: indem der Ich-Erzähler fortwährend weitere Schichten dieser Frau ergründet, erforscht er mit subtiler Ironie die schillernden Facetten einer Mentalität: die Psyche des amerikanisch-europäischen Geld- und Bildungsbürgertums im 20. Jahrhundert.

Quelle: Eichborn

Rezensionen zu diesem Buch (1)

Glanz und Ruhm einer kosmopolitischen Familie im 20. Jahrhundert! Sehr verärgert muss der Europachef einer weit verzweigten Bankiersfamilie mit amerikanischen Wurzeln erleben, dass sein Sohn Harry nicht in das Bankwesen der Familie eintreten will! Die Familie lebt in Genf, und wir schreiben das Jahr 1928. ...weiter

Verfasst von am 03.08.2008

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