Ein Lesevergnügen der besonderen Art!
Firmin und das Leben am Scollay Square
Anfang der sechziger Jahre am Scollay Square, einem baufälligen Stadtviertel von Boston. Hier wird Firmin als das letzte von dreizehn Rattenkindern – zwölf kann die Mutter eigentlich nur ernähren – geboren und schwächelt dementsprechend stetig vor sich hin. Um einigermaßen satt zu werden, ernährt er sich von Büchern. Eines Tages macht Firmin dabei die Entdeckung, dass er lesen kann und fortan widmet er sich hingebungsvoll seinem neuen Hobby. Er entwickelt eine starke Zuneigung zu Norman, dem eine heruntergekommene Buchhandlung gehört. Doch die Liebe zu dem Buchhändler erweist sich als sehr einseitig…
Sam Savage zeigt uns in seinem Roman, dass Außenseiter – seien es nun menschliche oder tierische – durchaus ihre Daseinsberechtigung haben und sogar sehr liebenswert sein können. Die eigentlicheTragik in Firmins Leben besteht darin, dass er nie zeigen kann, was wirklich in ihm steckt. Alle, die ihm begegnen, beurteilen ihn nur nach dem äußeren Eindruck und so bleibt er letztendlich allein mit all seinen Hoffnungen und Sehnsüchten.
Firmin spricht als Ich-Erzähler den Leser an vielen Stellen direkt an, so dass es mir nicht schwer fiel mit ihm zu sympathisieren. Freud und Leid habe ich gerne mit der kleinen Ratte geteilt, da das Buch sehr flüssig geschrieben ist, durchweg gut unterhält und den Leser an vielen Stellen durch humorige Einlagen schmunzeln läßt. Auch die Verweise auf verschiedene kleine und große Werke der Weltliteratur gefielen mir. Das Ende des Romans kam für meinen Geschmack zu plötzlich und wirkte wie mittendrin abgebrochen, so als wenn dem Autor am Schluss die Puste ausgegangen wäre. Schade, denn ein etwas versöhnlicheres und technisch ausgefeilteres Ende hätte dem Buch besser zu Gesicht gestanden! So ließen mich die letzten Seiten etwas unbefriedigt zurück.
Abgesehen davon finde ich den Roman stimmig und sehr originell. Die Figuren sind durch die Bank liebevoll gezeichnet und den Leser erwarten viele anrührende Momente. Firmin ist mir im Verlauf der Geschichte richtig ans Herz gewachsen und ich bin froh, das Buch gelesen zu haben.
Ich möchte die Lektüre von “Firmin- Ein Rattenleben” allen empfehlen, die ruhige und fantasievolle Geschichten abseits des Mainstreams mögen!
