Rezension: Goodbye Lemon

Lemon ist der Nickname für Dex, den kleinen Bruder von Jack, der mit fünf Jahren ertrunken ist. Wer war Schuld an seinem Tod? Jack hat nie verstanden, wie das damals passieren konnte. Der ältere Bruder Press geht ebenso traumatisiert durchs Leben wie Jack.

Nach Jahren erst kehrt der erwachsene Jackson Tennant eines Tages in sein Elternhaus zurück. Gerade hat sein Vater einen schweren Schlaganfall gehabt und leidet am Locked-In Syndrom. Er kann alles wahrnehmen und verstehen, er kann aber mit niemandem Kontakt aufnehmen oder seine Gefühle und Gedanken äußern. War das nicht schon immer so in der Familie?
Jack lebt ein glückloses Akademikerleben und bringt seine Freundin Hahva mit nach Hause. Die Frage, was mit Dex geschah, treibt ihn bis heute um. Nie wurden die Umstände erwähnt, die den Tod von Dex begleiteten, und nie haben die beiden Brüder den Tod des kleinen Bruders verwunden.
Press ist Alkoholiker, und ein Trinker war und ist auch der Vater. In diesem Buch wird in assoziativer Weise eine Familiengeschichte aufgerollt. Da gab es keine Wärme, keine Liebe und kein wirkliches Miteinander. Eine nüchterne Mutter und ein eigensinniger und abgeschotteter Vater haben in der Familie Kälte und Einsamkeit verbreitet. Jetzt ist es der Vater, der an seiner Einsamkeit zu ersticken droht. In der Familie hat das Schweigen alle erdrückt und zu Fehlurteilen verleitet. Erst allmählich begreift man, dass das Verstummen der Beteiligten Ursache und Wirkung hatte. Mit leicht ironischen Untertönen wird ein Familiendrama entwickelt, das beträchtliche Folgen zeitigte.
Was wirklich geschah, das wird man erst noch erfahren.
In einer teils komischen, mehrheitlich aber skurrilen Erzählweise vermittelt Adam Davies die Geschichte einer neurotischen und verkorksten Familie, deren Kinder sich schwer tun, im Leben solide Fuß zu fassen.

Gelegentlich etwas langatmig gelingt Adam Davies dennoch eine überzeugende Familienstudie, die von Hass, Versöhnung, und von der Liebe handelt. Den Erfolg von seinem Roman Froschkönig kann er mit dieser Erzählung nicht wiederholen.

Verfasst von Claudine Borries am 09.09.2008.

 

 

Kommentare:


22.10.2008, 11:39 Uhr

rlibbertz schrieb:

sehr geehrte Frau Borries,
ich finde ihre Rezension gut, jedoch stören mich zwei grundlegende Dinge, denn meiner Meinung nach nehmen sie der Geschichte zuviel vorweg, weswegen es auch ratsam ist nie die Klappentexte zu lesen, desweiteren finde ich "verkorkste Familie" und "den Erfolg wiederholen" unglücklich. Meiner Meinung nach ist dieses Buch viel sentimentaler, nicht nur wegen des Themas, als Froschkönig und die ertstaunliche weiterentwicklung dieses Autors.

mfg
roman libbertz


19.02.2009, 19:28 Uhr

Miranda schrieb:

Lieber roman libbertz,
vielen Dank für die Kritik,—die ich selbstverständlich nicht teile! Sie sollten besser überhaupt keine Rezensionen lesen, wenn Sie sich lieber überraschen lassen möchten! Ich für meinen Teil brauche unbedingt vor dem Lesen eines Buches einen gewissen Anhalt, ob mich das Thema überhaupt interessieren könnte, und ob die Ausführung des Themas als gelungen angesehen werden kann.
So ist halt jeder verschieden!

Feundliche Grüße
Cl.Borries


 

 

Bookreporter
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Buchinfos

Goodbye Lemon

Diogenes


Goodbye Lemon

Roman

Aus dem Englischen von Hans M. Herzog

352 Seiten (gebunden)
Diogenes Verlag AG

Erscheinungsdatum:
01.09.2008

ISBN: 9783257066791


Nutzerbewertung:
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Der Autor

 

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