Literaturnobelpreis 2012 für Mo Yan

Literaturnobelpreis 2012 für Mo Yan

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan. Damit bekommt erstmals ein in China lebender Autor den wichtigsten Literaturpreis der Welt.

Die Jury der Schwedischen Akademie in Stockholm zeichnete den 57-Jährigen aus, weil er «mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart» vereine. Mit seinen Geschichten über das harte Leben auf dem Dorf wie «Das rote Kornfeld» ist der Bauernsohn in seiner Heimat sehr erfolgreich. Die Reaktionen reichten von Freude bei Schriftstellerkollegen bis zu harter Kritik, dass der Romanautor den kommunistischen Machthabern zu nahe stehe.

Mo Yan, dessen Name ein Pseudonym ist und in etwa «Ohne Worte» bedeutet, hat in Deutschland bislang eine eher kleine Fangemeinde. Die Verfilmung der Familiensaga «Das rote Kornfeld» von Regisseur Zhang Yimou gewann 1988 den Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen. Im Jahr 2009, als China Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war, verließ Mo Yan mit der offiziellen chinesischen Delegation den Festsaal, als regimekritische Autoren an einem Forum teilnehmen wollten.

Auf Deutsch liegen auch Werke wie «Die Knoblauchrevolte» oder «Die Schnapsstadt» vor. Beim Carl Hanser Verlag soll bald sein Roman «Wa» (Frösche) über Chinas umstrittene Ein-Kind-Politik erscheinen.

Geboren 1955 als Guan Moye, ging er nur fünf Jahre in die Schule. Er arbeitete früh auf dem Feld und in der Fabrik, kam zur Armee und zog bald vom Dorf in die Hauptstadt Peking. Er war als Bibliothekar tätig und begann sein literarisches Werk in den 80er Jahren.

Auf die Auszeichnung aus Stockholm reagierte Mo Yan bescheiden: Er habe sich gefreut, glaube aber nicht, dass der Preis etwas bedeute. «China hat viele großartige Schriftsteller, die auch dazu befähigt sind, von der Welt anerkannt zu werden.» Er wisse noch nicht, ob er zur Verleihung am 10. Dezember in Stockholm anreisen werde. Die mit umgerechnet 930 000 Euro dotierten Nobelpreise werden traditionell am Todestag des Stifters Alfred Nobel überreicht.


Verfasst von Katja Krause am 12.10.2012.